Die Geschichte der SPD in Mommenheim

Die SPD ist die älteste demokratische Partei in Deutschland. Ihre Wurzeln gehen auf den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zurück, der am 23.5.1863 in Leipzig gegründet wurde. Nach mehreren Zusammenschlüsse in den darauffolgenden Jahren mit anderen Parteien, benannte man sich im Jahr 1890 in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) um.

Der SPD-Ortsverein Mommenheim ist jedoch wesentlich jünger. Erst im Jahr 1949 fanden sich auch in Mommenheim einige Bürger, die einen SPD-Ortsverband gründeten. Dies beruhte wohl darauf, dass Mommenheim sehr ländlich geprägt war. Der Haupterwerb war die Landwirtschaft. Arbeiter, aus dessen Reihen sich hauptsächlich die Mitglieder der SPD rekrutierten, gab es erst, als Mommenheim 1896 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. Doch die Anhängerschaft für die SPD hielt sich in Grenzen. Zu groß war noch die Abhängigkeit von den Bauern, bei denen die Ehefrauen der Arbeiter ein Zubrot verdienten und von ihnen beeinflusst wurden. Der Stimmenanteil für die SPD war bei der Reichstagswahl am 6.11.1932 schwindend gering. Ganze 6 Stimmen entfielen auf die SPD während die NSDAP 383 erhielt.

Was dann kam, war wohl die dunkelste Zeit deutscher Geschichte. Kurz nach der Machtergreifung Hitlers wurden zuerst die Kommunistische Partei Deutschlands und später auch die SPD verboten. Da sich die SPD als einzige Partei gegen das Ermächtigungsgesetz stellte, das Hitler erlaubte ohne das Parlament Gesetze zu beschließen und ihn erst dadurch zum Diktator machte. Freie Meinungsäußerungen konnten das Leben kosten. Die SPD-Politiker flohen aus Deutschland oder wurden in Konzentrationslager gesperrt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Befreiung von der Nazi-Diktatur, konnte mit dem Wiederaufbau demokratischer Strukturen begonnen werden. Mit dabei war wieder die SPD.

Auch änderte sich das Wahlverhalten der Mommenheimer etwas. Zwar war die CDU, deren Ursprung die Zentrumspartei ist, stärkste Kraft in Mommenheim, aber die SPD fand wesentlich mehr Zuspruch. Jedoch nicht so stark, wie im gesamten Land. Bei der Landtagswahl am 18.5.1947 erhielt die SPD 26,7% der Stimmen in Mommenheim, während es 34,33% im Land waren.

Diese Diskrepanz wollten 8 Mommenheimer ändern und gründeten 1949 den SPD-Ortsverein. Dies waren Adam Niebergall, Adolf Niebergall, Willi Scherf, Kasper Stab, Heinrich Jungbluth, Hans Schäufele, Max Meierhofer und Karl Rauschkolb.

Doch schon 1952 löste man sich kurzzeitig auf. Die Neugründungssitzung leitete der spätere Mainzer Oberbürgermeister Jockel Fuchs. In dieser Sitzung wurde Max Meierhofer zum Vorsitzenden gewählt und sollte es auch 20 Jahre lang bleiben.

Bei der Kommunalwahl im Jahr 1952 reichte es jedoch nur für einen Sitz im 15-köpfigen Gemeinderat. Zu groß war die Beliebtheit des amtierenden CDU-Bürgermeisters, der wohl  die Gemeinde am Ende des Zweiten Weltkrieges vor der Zerstörung gerettet hatte. Man hatte sich da bei der SPD mehr ausgerechnet, schließlich hatten im Jahr zuvor bei der Landtagswahl 33,6% der Wähler in Mommenheim für die SPD gestimmt.

Im Jahr 1961 besuchte Willy Brandt als Kanzlerkandidat der SPD auch Oppenheim. Die Mommenheimer SPD-Mitglieder wollten ihm ihre Unterstützung bezeugen und fuhren geschlossen dort hin.

Es hat zwar nichts geholfen. Willy Brandt unterlag in der Wahl. Aber wenige Jahre später, als Willy Brandt doch noch Bundeskanzler wurde, war auch die SPD stärkste Kraft in Mommenheim. Zu dieser Zeit war Josef Ackermann Vorsitzender des SPD-Ortsvereins. Bei der Kommunalwahl 1972 wurde die SPD zur stärksten Fraktion im Gemeinderat. Aber den Bürgermeister stellte die SPD trotzdem nicht, weil der Bürgermeister nicht direkt sondern vom Gemeinderat gewählt wurde, und die beiden anderen Fraktionen sich für den bisherigen Bürgermeister Heinz Horstmann entschieden.

Nach Josef Ackermann übernahm Josef Kau den Vorsitz im Ortsverein. Im Jahr 1984 wurde Günter Vay 1.Vorsitzender der SPD-Mommenheim. Im gleichen Jahr fanden Kommunalwahlen statt. Im Anschluss daran wurden Kau und Vay zu Beigeordneten der Gemeinde gewählt. Die beiden waren es dann auch, die am Aschermittwoch im Jahr 1987 kurzzeitig die Amtsgeschäfte übernahmen, weil der damalige Bürgermeister wegen Kürzung seiner Aufwandsentschädigung in einen Warnstreik getreten war.

1989 war es dann endlich soweit. Günter Vay wurde zum ersten und bisher einzigen sozialdemokratischen Bürgermeister gewählt. 15 Jahre leitete er die Geschicke in der Gemeinde. In dieser Zeit fiel unteranderem die Ortsumgehung der Rheinhessenstraße, die er gegen den Widerstand einzelner Gemeinderatsmitglieder durchsetzte.

Die SPD war in dieser Zeit die politisch stärkste Kraft in Mommenheim. Doch mit dem Rückzug von Günter Vay aus gesundheitlichen Gründen von der der politischen Bühne, wurde es auch in der SPD ruhiger. Es fehlte der Macher. Der anpackt und nicht viel redet.

Die Mitgliederzahl schwand und es wurde immer schwieriger die vielen Veranstaltungen, die von Vay und seinen Mitstreiter initiiert wurden, durchzuführen.

So war die SPD auch in der Fastnacht sehr aktiv. Stets im Januar fand die Fastnachtssitzung statt, bei der auch viele SPD-Mitglieder mitwirkten. Über 30 Jahre lange konnte man diese Tradition aufrecht erhalten. Doch Mitgliederschwund und geringes Zuschauerinteresse sorgten dafür, dass sich der damalige Vorstand gezwungen sah, diese Veranstaltung aufzugeben. Genauso wie das Osterfeuer, das die Feuerwehr nun ausrichtet und das Spielplatzfest auf der Schanz. Auch auf dem größten Mommenheimer Fest, der im September stattfindenden Kerb, war die SPD mit einem Weinstand vertreten. Schließlich hatte damals die Mommenheimer Jugend mit Günter Vay die Kerb, so wie wir sie kennen, erst zum Leben erweckt. Auch dieser Weinstandstand musste aufgegeben werden. Es fanden sich einfach nicht genügend Helfer, die bereit waren den Stand 3 Tage lang zu betreiben. Einzig übrig geblieben ist der Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt in Mommenheim. Jedes Jahr am Samstag vor dem ersten Advent organisiert die SPD den Weihnachtsmarkt auf dem Dorfplatz in Mommenheim. Sie kümmert sich um die Verteilung der Standplätze, den Strom, die Beleuchtung und das Programm.

Der 2019 gewählte Vorstand hatte sich zum Ziel gesetzt, wieder aktiver im Veranstaltungskalender aufzutreten und somit der Dorfgemeinschaft attraktive Abwechslungen vom Alltag anzubieten. Doch Corona machte dem einen Strich durch die Rechnung. So war ein Puppentheater für Kinder geplant, sowie auch die Beteiligung am Schulfest und dem Ferienkalender. Hoffen wir, dass wir bald diese Veranstaltungen durchführen bzw. uns daran beteiligen können.

Vielleicht findet sich auch noch der ein oder andere Mommenheimer Bürger, der in einer innovativen Gemeinschaft mitwirken möchte. Kreative Köpfe und anpackende Hände können wir immer gebrauchen.

 

 

 

 

Quellen:

 

Mommenheimer Dorfchronik von Margot Schäufle, Geschichtsverein Historia Mommenheim, Nov. 2010

 

Mommenheim Hundert Jahre Sozialgeschichte eines rheinhessisches Dorfes von Ulrich Luig, Verlag Titus Grab 1990

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Weihnachtsmarkt 2019